Die Geschichte der Hōzōinryū

Die Geschichte der Hōzōinryū

Hozoinryu Takadaha Sojutsu Geschichte

Ichiya Junzō, der 21. Sōke der Hōzōinryū. Die Geschichte der Schule ist wie in den meisten Koryū (alte Schulen) gut belegt, was die Linie ihrer Oberhäupter angeht, die vom gegenwärtigen Sōke Ichiya Junzō direkt auf den Gründer der Schule Kakuzenbō Inei (vollständig: Hōzōin Kakuzenbō Hōin Inei) zurückgeht.

Über Leben und Wirken des Gründers hingegen ist relativ wenig Konkretes bekannt, und das Wenige, das in Erfahrung zu bringen ist, ist häufig widersprüchlich und bewegt sich, wie viele Berichte aus der Zeit, gerne im Bereich der Legende.

Was man weiß, ist, dass Inei, mit profanem Namen Iga Iga no kami, 1521 als zweiter Sohn eines Nakamikado Tajima Tanenaga (oder Inei) geboren wurde, der seinerseits Mönchskrieger des Kōfukuji, eines der bedeutendsten Tempel in Nara war, und im Jahre 1533 Mönch im dem Kōfukuji untergeordneten Hōzōin, dessen Abt er später wurde, wurde.

Sicher wird Inei als Sohn einer Familie, die das Kriegshandwerk betrieb, sich von Kindesbeinen an in den Famlientechniken geübt haben und dürfte nach seinem Eintritt ins Kloster auch an den typischen Mönchskrieger-Waffen der Zeit, Naginata und Nagamaki, ausgebildet worden sein. Viel interessanter aber ist, dass dieser Mann nach seinem Eintritt in den Hōzōin einen regelrechten Kampfkunst-Spleen, um es mal salopp zu formulieren, entwickelt und Schulen schon geradezu gesammelt hat.

So übte er sich beispielsweise in der Tenshin Shōden Katori Shintōryū und der Shinkageryū, um nur zwei berühmte Schulen zu nennen. Letztere studierte er zusammen mit Yagyū Tajima no Kami Muneyoshi, dem Gründer der Yagyū Shinkageryū (ebenfalls in Nara beheimatet), mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, bei Kamiizumi Ise no Kami Nobutsuna.

Inei 1553 sollen einem zeitgenössischen Bericht zufolge Inei dann die Augen in Sachen Sichelspeergebrauch aufgegangen sein, erfunden jedenfalls hat er diese Waffe nicht, auch wenn die Legende von der geraden Speerspitze, die sich mit der Spiegelung der Mondsichel im Saruzawa no ike (ein Teich vor dem Kōfukiji in Nara) gekreuzt und Inei so zur Herstellung einer entsprechenden Waffe inspiriert haben soll, recht schön ist.

Ob schon Inei ein Formen-Curriculum verfasst hat oder ob erst sein Nachfolger Hōzōin Kakuzenbō Inshun, der übrigens sein Neffe war, die Techiken der Schule systematisiert hat, ist nicht ganz klar. Mal heißt es, Inei habe selber insgesamt 15 Formen zu Papier gebracht, andernorts wird Inshun die Ordnung der Schule zugeschrieben. Das allerdings wirft ein paar Probleme auf. Denn Inshun trat 1602 in den Hōzōin ein, als Inei mit 81 Jahren schon ein so alter Mann war, dass nicht er Inshun unterrichtete, sondern dieser Hōzōinryū-Sōjutsu von einem Mönch lernte, der Ineis direkter Schüler gewesen war. Problem Nummer zwei ist das Sōjutsu-Verbot, das Inei vor seinem Tod (er starb am 26.8.1607 nach dem Mondkalender) erließ. Damit hätte zumindest die mönchische Linie der Schule enden müssen, tat sie aber nicht, denn nach Ineis Tod gab Inshun das Training wieder frei.

Jahre vorher allerdings, also vor besagtem Verbot, hatte Inei die Schule, die bis dahin nur wenigen zugänglich gewesen war, offensichtlich über die Grenzen des Hōzōin bzw. Naras hinaus verbreiten wollen und deshalb mit Mitte 70 noch Schüler wie Nakamura Ichiemon und Takada Matabee Yoshitsugu, die nicht der Mönchsgemeinschaft angehörten, selber ausgebildet. Zwei Jahre vor Ineis Tod bekam Nakamura 1605 mit 29 Jahren sein Inka, sein Anbschlusszeugnis sozusagen. 10 Jahre später verlieh er selber das erste Zeugnis und zwar an Takada, der der erste von vielen hochrangigen Schülern war, die Nakamura hinterließ, was ihn im Nachhinein zum Gründer der Nakamuraha machte.

Takada Matabee Dieser Takada Matabê wurde mit 14 Jahren Nakamuras Schüler und wie schon gesagt auch von Inei persönlich ausgebildet. Später soll er dem zweiten Großmeister (der aus heutiger Sicht klösterlichen Linie) Inshun assisitiert haben. Neben dem Hōzōinryū Sōjutsu sagt man Takada nach, auch noch Schwert, Naginata, Bogenschießen usw. von jeweils Meistern ihres Fachs gelernt zu haben, um die daurch gewonnenen Erkenntnisse schließlich in 101 Formen dem Curriculum der Hōzōinryū hinzuzufügen. Außerdem soll er ein Werk in 50 Kapiteln zu Strategie, Psychologie usw. verfasst haben.

Aber all das ist sehr unsicher, zumal man an anderer Stelle durchaus lesen kann, Takada habe mit 14 Jahren sein Inka von Inei bekommen und sei der einzige Schüler gewesen, den Inei in der Takada zugeschriebenen Kunst der Strategie und Psychologie unterwiesen habe. Was Zahlen und Fakten betrifft, geht es in der Historie eben manchmal etwas durcheinander.

Takada gründete dann in Edo ein Speer-Dōjō, wo er unter anderen einen Ogasawara Ukon Daifu Tadazane unterrichtete, was dazu führte, dass er 1623 in die Dienste der Daimyō-Familie Ogasawara treten konnte. 1637 zog er auf Einladung Ogasawara Tadazanes nach Kokura (gehörte den Ogasawara seit 1632) auf Kyūshū, wo er im Shimabara-Aufstand an der Spitze einer Einheit von Speerkämpfern die von den Aufständischen gehaltene Burg Hara eingenommen haben soll.

Interessant ist, dass derselbe Daimyō zur selben Zeit auch Miyamoto Musashi und dessen Adoptivsohn in seinen Diensten hatte. Kein Wunder also, dass es dort auf fürstlichen Wunsch zum Duell der beiden kam, zu einem sportlichen, dessen Ausgang allerdings - und da wären wir mal wieder bei der Widersprüchlichkeit - auch in zwei Versionen mit jeweils anderem Sieger vorliegt.

Die Schüler Takada Matabeis und drei seiner vier Söhne trugen die Hōzōinryū dann zwar nicht in die Welt hinaus, verbreiteten sie aber großflächig über Japan und machten sie zur bekanntesten und größten Speerschule der Edo-Zeit mit über 4000 Schülern, wie es heißt.

Wann und wohin dann im Laufe der Jahrhunderte all die vielen Forme verschwunden sein mögen, ist ein Rätsel. Jedenfalls waren es nur noch 50 Formen Yariawase (Speer gegen Speer), die Yamazato Tadanori 1918 in der Kendō-Abteilung der Daiichikōtōgakkō in Tōkyō unterrichtete.

Die Rückkehr der Hōzōinryū nach Nara bahnte sich 1974 an, als Kagita Chūzaburō, der Vater des 20. Sōke Bürgermeister von Nara wurde, ein Amt übrigens, das sein Sohn auch schon innehatte. Bürgermeister Kagita senior ließ das Zentrale Budōdōjō Stadt Nara errichten, in einem auf Speertraining ausgelegten Maßstab. Zur Einweihung des Dōjōs kam Ishida Kazuto, der damalige Sōke und Vorsitzender des Alljapanischen Kendō-Verbands (Zennihon Kendō Renmei), nach Nara und führte dort Hōzōinryū Takadaha Sōjutsu vor. Auf Bitte Bürgermeister Kagitas unterrichtete er in Folge eine Handvoll Männer, mal in Tōkyō, mal in Nara, darunter der 20. Sōke und Nishikawa Gennai. Letzterer wurde 1976 von Ishida zu seinem Nachfolger ernannt, weshalb heute das Jahr 1976 als das gilt, in dem die Schule offiziell an ihren Ursprungsort zurückkehrte. Auf den 20. Sōke, der übrigens während seines Studiums in Tōkyō von Ishida lernte, ging dieses Amt 1991 über.

Bei der Rückkehr der Hōzōinryū in ihre Heimatstadt Nara waren insgesamt noch 35 Formen übrig: 14 Formen Omote, 14 Formen Ura und 7 Formen Shinshikake. Dies ist der Formenschatz, der heute in Nara, Higashiōsaka, Nagoya und Tōkyō ebenso wie in Hamburg geübt wird.

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