Speertypen

kamayari suyari kudayari kagiyari

Es gibt unglaublich viele verschiedene Arten von Speeren, sowohl was die Länge betrifft als auch was die Klingenform oder die Montierung angeht. Insbesondere wenn man auch solche Sonderformen des Speers mit einbezieht, die für Sōjutsu völlig unbedeutend sind, wie Uchine oder Kagoyari.

Uchine sind eigentlich befiederte Wurfpfeile an einer Leine, mit der sie nach Gebrauch zurückgezogen werden konnten. Sie haben mit richtigen Speeren eigentlich nur eins gemeinsam: die Klinge, die in der Regel identisch mit einer dreieckigen Suyari-Klinge ist.

Kagoyari hingegen, häufig im Stil eines Jūmonji Kamayari, sind sehr kurzer Speere. Der Name Sänftenspeer lässt den Gedanken nahe liegend erscheinen, dass solche Speere in oder aus Sänften heraus eingesetzt werden sollten. In Sänften reisten jedoch nur Personen, die so hoch gestellt waren, dass sie von bewaffneten Eskorten begleitet wurden, was das Mitführen eines kurzen Speers zur Selbstverteidigung ziemlich überflüssig und wenig wahrscheinlich macht. Als in Wohn– und Schlafräumen deponierte und auch in beengten Verhälnissen einsetzbare Verteidigungswaffe hingegen erscheinen solch kurze Speere durchaus sinnvoll.

Solche Sonderformen auslassend lassen sich Speere nach verschiedenen Kriterien klassifizieren. Zum einen nach der Form ihrer Klinge:

SuyariSuguyari haben eine gerade Klinge. Es gibt Hirasankakuyari (flacher dreieckiger Querschnitt), Seisankakuyari (gleichseitiger dreieckiger Querschnitt) und Ryōshinogiyari (Klinge mit zwei Graten, rautenförmiger Querschnitt), außerdem Sonderformen wie Sasahozukuri (bauchige Klinge in Form eines Bambusblatts mit flachem dreieckigem Querschnitt) oder Kamonohashiyari (Entenschnabel-Speer, gedrungene Klinge mit rautemförmigen Querschnitt und relativ runder Spitze).

Wenn ein Speer eine dieser geraden Klingen hat und nicht besonders montiert ist, nennt man ihn einen Suyari (einfacher Speer).

Kikuchiyari, auch Tsukushiyari oder schlicht Katabayari (einschneidiger Speer) genannt, haben bzw. sind Klingen in Form einer einschneidigen Tantō-Klinge und werden wie eine solche Dolchklinge auch mit einem Habaki montiert.

Fukuroyari: Tüllenspeer. Im Gegensatz zu allen anderen Klingenformen hat die Klinge eines Fukuroyari kein Nakago (Angel), sondern eine Tülle. Dementsprechend wird sie nicht im Schaft montiert, sondern über die Schaftspitze gestülpt. In ihrer Robustheit Klingen mit Nakago deutlich unterlegen haben Fukuroyari den Vorteil, dass sich ihre Schäfte leicht herstellen und notfalls durch x-beliebige Stangen, Äste usw. ersetzen lassen.

Jūmonji KamayariKamayari: Bei Sichelspeeren gehen von der geraden Hauptklinge Seitenklingen ab. Wenn es nur eine davon gibt oder eine dieser Beiklingen deutlich länger ist als die andere (wie bei dem berühmten Speer Katō Kiyomasas), spricht man von einem Katakamayari. Bei gleichlangen Klingen handelt es sich um einen Jūmonji Kamayari oder einfach Jūmonjiyari (kreuzförmiger Sichelspeer bzw. kreuzförmiger Speer). Die Seitenklingen sind in der Regel leicht aufwärts Richtung Speerspitze gebogen, es gibt aber auch Exemplare, deren Seitenklingen gerade sind. Jūmonjiyari mit abwärts gebogenen Seitenklingen nennt man Karigata Kamayari. Ein weiterer Sondertyp des Jūmonjiyari ist der Chidori Kamayari, dessen Beiklingen aufwärts gekrümmt sind, aber zusätzlich jeweils auch eine kleine abwärts weisende Spitze haben. Kamayari-Klingen haben immer einen rautenförmigen Querschnitt. Die Hauptklinge sowohl als auch die Seitenklingen.

Ōmiyari1 sind Speere mit, wie der Name sagt, großer Klinge bzw. die großen Klingen selbst. Als Ōmiyari werden alle Klingen von über 1 Shaku (30,3 cm) Länge bezeichnet.

Eine weitere Unterteilung kann nach der Gesamtänge eines Speers getroffen werden:

Nikenyari: Ein Speer von 2 Ken (364 cm) Länge. Niken war die Standardlänge für Speere, weshalb mit Suyari immer ein einfacher gerader Speer von 364 cm Länge gemeint ist, solange nichts anderes spezifiziert ist.

Kozuyari: Kleiner Suyari von 9 Shaku (273 cm) Länge.

Teyari: Handspeer von ca. 210 cm Länge.

Bleibt schließlich noch die Klassifizierung nach der Art der Speermontierung zu erwähnen:

Kudayari: In der Regel ein Suyari, der durch eine Röhre (Kuda) aus Metall geführt und gestochen wird. Da die Führhand die Röhre greift und keinen unmittelbaren Kontakt mit dem Speerschaft hat, ist der Reibungswiderstand gegenüber einem normalen Speer niedriger. Deshalb kann ein Kudayari sehr schnell stechen oder die Distanz variieren.

Kagiyari (links)Kagiyari1: Ein Speer, an dessen Schaft eine Parierstange angebracht ist. In der Regel ist diese auf einer Seite zu einem Richtung Speerspitze weisenden Haken ausgeformt, manchmal auch auf beiden Seiten. Ein Kagiyari lässt sich ähnlich verwenden wie ein Kamayari, ohne jedoch dessen spezielle Klinge vorauszusetzen.

Konkrete Einsatzbeispiele:

  • Hōzōinryū: 9 Shaku (273 cm) Jūmonji Kamayari und 2 Ken (364 cm) Suyari
  • Fūdenryū: 2 Ken (364 cm) Suyari
  • Ôwari Kanryū: 2 Ken (364 cm) Kudayari
  • Saburiryū: 9 Shaku (273 cm) Kagiyari1 und 9 Shaku (273 cm) Kozuyari

Alle dem Autor bekannten integrierten Systeme, die Sōjutsu beinhalten, setzen 9 Shaku (273 cm) Kozuyari ein.

Anmerkungen:
1. Der Kagiyari der Saburiryū ist ein Ōmikagiyari mit einer Klinge von 2 Shaku (60,6 cm) Länge. Die Parierstange ist unmittelbar hinter dieser gewaltigen Klinge montiert.

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