An- und Abgrüßen
Geschrieben von Jürgen Seebeck   

Beim An- und Abgrüßen unterscheiden wir zwischen dem zu Beginn und Ende des Trainings und dem zu Beginn und Ende eines Formendurchgangs mit Partner. Außerdem gibt es noch eine Art des An- und Abgrüßens zu speziellen Anlässen wie Vorführungen.

Das Angrüßen zu Beginn des Trainings verläuft in der Hôzôinryû wie folgt:

Auf das Kommando Chakuza (Hinsetzen) des ranghöchsten Schülers nehmen alle Trainingsteilnehmer Seiza ein, der oder die Lehrer auf der Lehrerseite (Kamiza - oberer Platz) mit dem Rücken nach Shômen bzw. Shinzen, die Schüler in einer von rechts nach links hierarchisch abfallenden Linie auf der Schülerseite (Shimoza - unterer Platz) mit dem Gesicht nach Shômen bzw. Shinzen. Auf das Kommando Seiza (entspricht Mokusô im Kendô, allerdings werden hier die Augen nicht völlig geschlossen) folgt eine kurze Phase der Versenkung, die mit dem Kommando Yame beendet wird.

Der oder die Lehrer orientieren sich dann in Richtung Shômen bzw. Shinzen, woraufhin das Kommando Shômen ni rei oder Shinzen ni rei erfolgt und sich alle Anwesenden entsprechend nach Shômen bzw. Shinzen verbeugen. Danach nimmt der bzw. nehmen die Lehrer seine bzw. ihre ursprüngliche Position wieder ein.

Wenn dies geschehen ist, gibt der ranghöchste Schüler mit dem Kommando Sensei ni rei das Zeichen zur Verbeugung vor dem/den Lehrer/n. Der bzw. die Lehrer verbeugt bzw. verbeugen sich ebenfalls. Dies geschieht stumm.

Erst beim abschließenden Tagai ni rei, das, gegebenenfalls nach ein paar einleitenden Lehrerworten, ohne Kommando erfolgt, bitten alle mit onegai shimasu um Unterweisung.

Das Abgrüßen am Ende des Trainings verläuft adequat, nur ist hier die Reihenfolge der Verbeugungen und damit natürlich auch die der Kommandos etwas anders.

Auf das Kommando Chakuza, nehmen wieder alle Seiza ein. Dann erfolgt auf das Kommando Seiza erneut eine kurze Versenkung, die wieder mit Yame beendet wird.

Nun wird sich zuerst auf das Kommando Sensei ni rei stumm vor dem bzw. den Lehrer/n verbeugt.

Dann folgt auf das Kommando Shômen ni rei oder Shinzen ni rei die Verbeugung nach Shômen bzw. Shinzen.

Nach eventuellen abschließenden Lehrerworten verbeugen sich Lehrer und Schüler mit arigatô gozaimashita (vielen Dank) voreinander.

Anmerkungen:
Die Hakama wird erst nach dem Angrüßen hochgesteckt (Momodachi) und vor dem Abgrüßen wieder heruntergelassen.
Vor dem Abgrüßen werden die Speere an die Seite gelegt.
Bei den Verbeugungen liegen kleiner bis Zeigefinger beider Hände aneinander und haben die Zeigefinger beider Hände sowie die Daumen beider Hände Kontakt, wobei sie ein kleines Dreieck bilden.
Die Ellenbogen sollen im tiefsten Punkt der Verbeugung den Boden neben den Knien berühren, Rücken, Nacken und Hinterkopf eine Linie bilden, die parallel zum Boden ist.

Das Angrüßen vor dem Beginn des Kata-Trainings mit einem Partner verläuft folgendermaßen:

Kamayari und Suyari (der Name des Speers wird in der Hôzôinryû auch für dessen jeweiligen Träger verwendet) stehen sich gegenüber, wobei sie ihren Speer mit der rechten Hand in dessen Mitte an ihrer rechten Seite halten. Die Speerspitze ist dabei knapp über dem Boden und zeigt leicht in die Mitte.

Beide verbeugen sich leicht voreinander (immer nur so weit, dass man seinen "Gegner" noch sehen kann) und gehen dann mit dem linken Fuß beginnend aufeinander zu, bis der passende Abstand erreicht ist. Dann führen sie einmal Shigoki aus, an dessen Ende sie Yarigamae erreichen. Sodann bringen beide die Speerspitzen auf den Boden und schieben ihre Speere mit der rechten Hand aufeinander zu, wobei der hintere Fuß (d.i. der rechte) neben den vorderen gezogen wird, bis die Speerspitzen sich fast berühren. Die rechte Hande hält den Speer jetzt in Körpermitte etwa vor dem Bauchnabel. Der Kamayari greift den Speer dabei an dessen Ende, der Suyari etwa 1 Shaku (30,3 cm) vor dem Ende.

Nun knien beide mit dem linken Bein beginnend ab, wobei die Füße nach hinten gestellt werden und die Oberschenkel senkrecht zum Boden bleiben, und legen ihren Speer auf dem Boden ab. Die Zehen bleiben aufgestellt. Die Speere sollten jetzt in einer Linie liegen. Suyari und Kamayari bringen nun ihre rechte Hand an den rechten Oberschenkel (die linke wurde an den linken geführt, als die Speere rechtshändig aufeinander zu geschoben wurden) und verbeugen sich wiederum leicht voreinander.

Nun greifen beide ihren Speer mit der rechten Hand an dessen Ende und heben ihn wieder in Körpermitte auf Höhe des Bauchnabels. Dann drehen sie sich auf den Knien 90 Grad nach rechts, wobei sie ihre rechte Hand mit dem Speer bis etwa zur rechten Leist zurückziehen. Dann stellen beide ihr rechtes Bein unter ihrem Speer auf. Der Blick bleibt dabei die ganze Zeit dem "Gegner" zugewandt.

Der Kamayari greift nun mit der linken Hand seinen Speer kurz vor dem Körper und zieht ihn mit der rechten Hand durch die linke zurück, die dabei im Uhrzeigersinn über den Speer gedreht wird, was sie gleichzeitig etwas nach vorne bringt, wobei er ihn in die Horizonatle bringt (Shigoki am Boden sozusagen).

Der Suyari hingegen greift seinen Speer mit der linken Hand weiter vorne, greift dann mit der rechten 1 Shaku vor und führt ebenfalls Shigoki aus.

Nun drehen sich beide wieder nach vorne, wobei der rechte Fuß aufgestellt bleibt und sie mit ihrer rechten Hand am Speerschaft entlang zur linken Hand rutschen, die diesen schließlich in dessen Mitte fassen soll.

Die linke Hand vom Speer lösend und an die linke Seite bringend stehen beide nun mit dem linken zum rechten Fuß hin auf und senken dann die Speerspitzen bis knapp über dem Boden, wobei diese immer auf den "Gegner" gerichtet bleiben.

Schließlich gehen beide mit dem linken Fuß beginnend fünf Schritte rückwärts auf ihre "Startpositionen" für die nun folgenden Katas.

Anmerkung:
Nebst der Bezeugung gegenseitigen Respekts dient das Angrüßen auch der Ermittlung eines praktikablen Abstands für die Ausführung der Formen.

Wenn die zwei Partner ihr Kata-Training beendet haben grüßen sie in folgender Weise ab:

Beide gehen links beginnend drei Schritte aufeinander zu, führen einmal Shigoki aus, bringen die Speerspitzen auf den Boden und schieben ihre Speere mit der rechten Hand aufeinander zu, wobei der hintere Fuß (d.i. der rechte) neben den vorderen gezogen wird, bis die Speerspitzen sich fast berühren. Die rechte Hande hält den Speer jetzt in Körpermitte etwa vor dem Bauchnabel. Der Kamayari greift den Speer dabei an dessen Ende, der Suyari etwa 1 Shaku (30,3 cm) vor dem Ende.

Nun knien beide mit dem linken Bein beginnend ab, wobei die Füße nach hinten gestellt werden und die Oberschenkel senkrecht zum Boden bleiben, und legen ihren Speer auf dem Boden ab. Die Zehen bleiben aufgestellt. Die Speere sollten jetzt in einer Linie liegen. Suyari und Kamayari bringen nun ihre rechte Hand an den rechten Oberschenkel (die linke wurde an den linken geführt, als die Speere rechtshändig aufeinander zu geschoben wurden) und verbeugen sich leicht voreinander.

Jetzt rutschen beide auf die der Kamiza abgwandte Seite ihrer Speere und nehmen Seiza ein. Falls die Kamiza in Linie der Speere liegen sollte, rutschen sie auf die der Mittellinie abgewandte Seite ihrer Speere und nehmen Seiza ein. Dann verbeugen sie sich wie bei der Verbeugung gegenüber Shômen oder dem Lehrer mit arigato gozaimashita voreinander.

Zu guter Letzt rutschen sie wieder hinter ihren Speer, nehmen diesen mit Shigoki auf, stehen auf und verlassen die Übungsfläche.

Die zeremonielle Art des An- und Abgrüßens soll tatsächlich Übenden vorbehalten bleiben und wird deshalb an dieser Stelle nicht beschrieben.

Bei unbedingtem Interesse steht es jedoch jedem frei, Sôjutsu.de zu kontaktieren, beim regelmäßigen Training vorbeizuschauen oder an einem der Hôzôinryû Takadaha Sôjutsu-Lehrgänge, die rechtzeitig u.a. auf diesen Seiten angekündigt werden, teilzunehmen.