Stechend ist´s ein Speer
Mähend gibt er 'ne Naginata her
Man kann ihn wie 'ne Sichel zieh'n
Für den Gegner gibt es kein Entflieh'n
Hôzôinryû
Die Speere Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Seebeck   

Wenn man alleine arbeiten muss oder möchte. empfiehlt sich daher der Einsatz einer Hobelbank wie dieser, die sich der Autor ausschließlich für den Bau von Speeren ausgedacht hat. Hier wird der Speerrohling mit zwei Schlaufen, die durch den Hobelbankkörper führen und mit einem Pedal verbunden sind, geführt und durch das Niedertreten dieses Pedals fixiert. Bankhaken sorgen für Seitenstabilität oder dienen als vorder Anschlag beim Behobeln der Speerspitze. Man fixiert den Speer also mit einem Fuß und hat so für das Hobeln beide Hände frei. Nach jeweils einigen Hobelzügen entlastet man das Pedal, dreht den Rohling etwas, tritt das Pedal erneut nieder und macht die nächsten paar Züge, wobei man sich auch hier kontinuierlich von der Spitze zum Ende hin vorarbeitet, wobei der Speer im Verlauf der Arbeit immer weiter auf der Bank nach vorne geschoben wird. Die Erfahrung lehrt, dass eine Person in der Zeit, die zwei Personen nach Methode 1 für einen Speer brauchen, auf so einer Hobelbank zwei Speere bauen kann.

Während des Hobelns sollte man das Hobeleisen immer feiner einstellen. Anfangs grobe Späne für hohen Abtrag, später immer feinere Späne für eine glattere Oberfläche. Zusätzlich überprüft man immer wieder, ob der Speer sich tatsächlich verjüngt und rund im Querschnitt ist. Dann wird das Sakigawa (Frontkappe aus Leder wie beim Kendô-Shinai) angepasst bzw. die Speerspitze demselben. Zu guter Letzt wird der Schaft geglättet, so es denn notwendig sein sollte. Das kann man mit Schleifpapier machen oder mit Ziehklingen. Es gibt ein chinesisches Werkzeug namens Pingflot, das mehrere Ziehklingen hintereinander in einem Korpus vereint und sich zu diesem Zweck bestens bewährt hat.

Wenn man möchte, kann man noch das Speerende mit einer Fase versehen. Ansonsten wird nur noch das Sakigawa fixiert, am einfachsten mit Tape, und voilà: fertig! Zumindest was einen Suyari angeht.

Beim Kamayari steht jetzt nämlich noch die Anfertigung der "Sicheln", sprich der Querstange und deren Einpassen in den Speerschaft aus.

Das beste Material für diese Querstange ist Bambus. Hart, elastisch und widerstandsfähig. Die Rede ist nicht von Baumarkt-Bambus, sondern von Bambus, wie er für Kendô-Shinai benutzt wird. Und tatsächlich verarbeitet der Autor die unteren Klingenpartien gebrochener Shinai zu Kama (Sicheln). Hier ist das Material nämlich breit und stark genug. Bevor der Bambusspleiß auf seine endgültige Länge von 16 cm abgelängt wird, wird er zuerst auf der Innenseite plan gehobelt und zwar so, dass er von einem zum anderen Ende leicht keilförmig ist. Das garantiert später einen festen Sitz der Querstange im Schaft, ohne sie einleimen zu müssen. Ca. 6-8 mm Endmaterialstärke sind ausreichend. Nun werden die Seiten des Spleißes behobelt, bis das ganze einen flach-rechteckigen Querschnitt hat. Dann wird abgelängt.

Nun muss der Kamayari noch mit einer Aufnahmeöffnung für die Querstange versehen werden. Ob man diese nun vorbohrt und ausraspelt oder feilt oder ausstemmt, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass dieses Loch im rechten Winkel zur Holzmaser verlaufen muss. Sonst hebelt die Querstange die Speerspitze unter Last sofort entzwei. Außerdem sollte das Maß der Aufnahme mit dem der Querstange übereinstimmen, damit diese fest sitzt.

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