Einen Zentimeter länger, einen Zentimeter stärker.
Chinesisches Sprichwort
Der Sichelspeer der Hôzôinryû (12) Drucken E-Mail

Von Kagita Chûbê, 20. Sôke der Hôzôinryû

Historische Spuren der Hôzôinryû

Kagita Sôke
Kagita Sôke
Wie ich in der letzten Folge bereits geschrieben habe, existierte der Hôzôin am Ende der Edo-Zeit1 noch, und es wurde dort Sôjutsu unterrichtet. Doch im Laufe der anti-buddhistischen Bewegung zu Beginn der Meiji-Zeit2 wurden seine Gebäude abgerissen und sein Grundbesitz enteignet. Dabei ging sein Dôjô ebenso verloren wie das Archiv seiner Schriften, was überaus bedauerlich ist. Daher gibt es heute nur wenige historische Denkmäler, die mit der Hôzôinryû in Beziehung stehen, und diese möchte ich im Folgenden vorstellen.

Gedenkstein
Der Gedenkstein auf dem Gelände des Hôzôin
Der Gedenkstein auf dem Gelände des Hôzôin
Ich fand es immer äußerst schade, dass kaum jemand wusste, wo der in der Budô-Welt so berühmte Hôzôin eigentlich gestanden hatte. Also appellierte ich an die Einwohner von Nara, einen Gedenkstein aufstellen zu lassen, und sammelte Spenden dafür. Tagawa Shunei, der Vorsteher des Kôfukuji steuerte die Kalligraphie "Hier stand der Hôzôin des Kôfukuji, an diesem Ort entstand das Hôzôinryû Sôjutsu" für den Stein bei, der am 16. Dezember 2002 westlich des Hauptgebäudes des Staatlichen Museums Nara aufgestellt wurde.

Graeber
Die Gräber der Hôzôinryû-Meister
Der Friedhof des Hôzôin
Der Friedhof, auf dem der Stilbegründer Inei, das zweite Oberhaupt der Schule, Inshun, und ihre Nachfolger ruhen, liegt im Naraer Viertel Byakugôji. Die Angehörigen unserer Schule besuchen und pflegen die Gräber zu allen Jahreszeiten. Jedes Jahr findet zudem am 26. August, dem Todestag Ineis, eine Totenandacht statt, an der auch der Vorsteher des Kôfukuji und der Vorstand der Naraer Gesellschaft zur Erhaltung des Hôzôinryû Sôjutsus3 teilnehmen. Doch waren die Grabsteine durch ihr Alter so verwittert und standen, bedingt durch Baumwurzeln, so schief, dass es nicht mit anzusehen war. Deshalb ließ ich als ein Projekt anlässlich des 400sten Todestages Ineis die Grabstätten der Großmeister des Hôzôinryû Sôjutsus instand setzen. Die hierfür nötigen Gelder spendeten die Einwohner Naras. Dank dessen konnte am 26. August 2007, Ineis 400stem Todestag, der neu angelegte Friedhof in einer Zeremonie unter der Leitung des Oberpriesters des Kôfukuji eingeweiht werden.

Marishiten
Der Marishiten-Felsen
Der Marishiten-Felsen
Es heißt Inei, der Begründer unserer Schule, habe in Gestalt dieses Felsens, den es auf dem Gelände des Hôzôin gab, die Gottheit Marishiten verehrt, während er sich seinem Training widmete, um so schließlich unser Sôjutsu hervorzubringen. Marishiten ist die göttliche Personifizierung des Sanskrit-Begriffs Marici (flimmernde Luft). Diese Göttin gewährt Schutz und Sieg und wurde in Japan seit alters her als die Schutzgöttin der Krieger verehrt. Bis zum Ende der Edo-Zeit wurde der Marishiten-Felsen im Hôzôin verehrt und dann einfach in dessen Ruinen zurückgelassen, als der Tempel im Laufe der anti-buddhistischen Bewegung zu Beginn der Meiji-Zeit zerstört wurde. Dies fand ein gewisser Katsuzô aus dem Naraer Viertel Takabatakechô, der der Urgroßvater von Ishizaki Naoji und Arzt für chinesische Heilkunde war, so bedauerlich, dass er den Felsen im Jahre Meiji 204 zu sich nach Hause bringen ließ, ihm dort opferte und ihn als Schutzgottheit des Ärzteberufs anbetete. Seither wurde der Felsen in der Familie Ishizaki "O-Ishi-sama5" genannt und mit Hingabe verehrt.

Als ich anfragte, ob die Familie, die den Marishiten-Felsen gerettet hatte, ihn stiften würde, stieß ich auf großes Verständnis. Als neuer Aufstellungsort bot sich der dem Hôzôin verbundene Kôfukuji gerne an. Dort wurde der Marishiten-Felsen am 31. Mai 1999 nach einer von Tagawa Shunei, dem Oberpriester des Kôfukuji, geleiteten Zeremonie vor der dreistöckigen Pagode aufgestellt.

Kananbôtsuji
Nara war seit alters her ein Zentrum der Schwertschmiedekunst. Besonders bekannt waren und sind die als die Fünf Stile Yamatos bezeichneten Traditionen Senjuin, Tegai, Hôshô, Shikakke und Taema. Darüber hinaus spielte dort am Ende der Muromachi-Zeit6 die Kanefusa-Schule eine bedeutende Rolle. Diese Schule schmiedete außer Schwertern auch Speere7 und hinterließ, vielleicht der Nähe zum Hôzôin wegen, viele Jûmonjiyaris8. Diese Schule brachte zahlreiche Schmiede wie Masami, Masatsugu, Masakage, Masazane, Masanaga, Masasada, Masasuke, Masashige oder Masakiyo hervor. Es gibt Arbeiten von Masatsugu, die mit "Nanto Komori-jû9" signiert sind, und es ist überliefert, dass diese Schule ein Anwesen im Viertel Komorichô in Nara besessen haben soll. In der Stadtgeschichte Naras steht: "Kananbôtsuji10 ist der alte Name einer Kreuzung, die auf der Grenze zwischen den Vierteln Kamisanjôchô und Honkomorichô lag und im lokalen Volksmund so genannt wurde." Doch hat es inzwischen straßenbauliche Maßnahmen gegeben, so dass ihre genaue Lage heute unbekannt ist. Es wird jedoch vermutet, dass sie sich in der Gegend befand, in der sich heute die Straßen Sanjôdôri und Yasuragi-no-michi kreuzen.

Dies sind die erhalten gebliebenen historischen Spuren, die im Zusammenhang mit dem Hôzôinryû Sôjustu stehen. Ich wünsche mir sehr, dass wir alles tun, sie zu erhalten, wie ich gleichzeitig hoffe, durch unser Training das Sôjutsu der Hôzôinryû für die Nachwelt erhalten zu können.

Mit dieser Folge endet die Serie "Der Sichelspeer der Hôzôinryû". Ich danke Ihnen sehr für das Interesse, mit dem sie meine Beiträge ein Jahr lang verfolgt haben.

(Zuerst erschienen im Nara-Stadtmagazin Ubusuna am 05.12.2009)
    Anmerkungen:
  1. 1603 - 1868; die Endzeit des Tokugawa-Shôgunats begann mit der Ankunft Perrys 1853.
  2. 1868 - 1912.
  3. Nara Hôzôinryû Sôjutsu Hozonkai.
  4. 1887.
  5. Ehrenwerter Fels.
  6. 1392 – 1573.
  7. So wird u.a. der Speer Nihongô, der in der zweiten Folge erwähnt wird, der Kanefusa-Schule zugeschrieben.
  8. Kreuzförmiger Sichelspeer.
  9. Einwohner des Komorichô-Viertel der südlichen Hauptstadt (= Nara).
  10. Kananbô ist eine andere Lesung von Kanefusa. Kananbôtsuji = Kanefusa-Kreuzung.
 
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