Wer nicht weiß, wie man mit einem Speer umgeht, sollte von der Schwertkunst schweigen. Wer nicht weiß, wie man mit einem Schwert umgeht, sollte von der Speerkunst schweigen.
Owarikanryû
Texte von Kagita Sôke
Der Sichelspeer der Hôzôinryû (1) Drucken E-Mail

Von Kagita Chûbê, 20. Sôke (Oberhaupt) der Hôzôinryû

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes neues Jahr.

Es ist mir eine Freude, an dieser Stelle über das Sôjutsu der Hôzôinryû schreiben zu können, und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich über die 12 Folgen, die im Laufe dieses Jahres erscheinen werden, begleiten würden.

Das Sôjutsu (Kunst des Speerfechtens) der Hôzôinryû ist wie das Kenjutsu (Kunst des Schwertfechtens) der Yagyû Shinkageryû eine alte Kampfkunst (Kobudô), deren Wiege Nara war. Der Gründer der Hôzôinryû war Kakuzenbô Inei, der im Hôzôin, einem Untertempel des Tempels Kôfukuji in Nara, lebte. Vor etwa 450 Jahren kreuzte sein Speer das Spiegelbild der Mondsichel auf dem Teich Saruzawa-no-ike, was ihn der Überlieferung zufolge zur Entwicklung von Techniken mit dem Sichelspeer inspirierte und zur Gründung der Hôzôinryû führte.

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Yari und Hoko

In dieser Folge möchte ich über die Speertypen Yari und Hoko schreiben.

Was unterscheidet Yari und Hoko voneinander? Im Allgemeinen ließe sich zwar sagen, dass Hoko-Klingen häufig rundlich geschwungene Schneiden und eine stumpfwinklige Spitze haben, wohingegen die Klinge eines Yaris gerade Schneiden und eine spitzwinklige Spitze hat, doch eine eindeutige Definition gibt es nicht.

Schon der Edo-zeitliche1 Gelehrte Arai Hakuseki (1657 - 1725) forschte zum Thema Yari und Hoko. In seinem Werk "Tôga"2 findet sich zwar folgende Schilderung: "Als der Tennô Tenji3 noch (Prinz) Naka-no-Ôe genannt wurde, griff er zu einem langen Speer, um den Minister (Soga-no-) Iruka zu töten." Doch merkte der Autor dazu an, dass dabei nicht eindeutig feststeht, ob es sich nun um Yari oder Hoko gehandelt hatte. Auch ich denke, dass die passendste Erklärung lautet, dass ein und dieselbe Waffe im Altertum gewöhnlich Hoko und seit der Nanbokuchô-Zeit4 allgemein Yari genannt wurde.

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Speertypen

In dieser Folge möchte ich die verschiedenen Arten von Speeren vorstellen.

Suyari:
Dies ist der am häufigsten vorkommende Speertyp. Wie der Name "einfacher Speer" schon sagt, handelt es sich hierbei um einen Speer mit einer geraden Klinge. Da es in alten Zeiten nur diesen Speertyp gab, gab es damals diese Bezeichnung auch nicht. Der Name Suyari bürgerte sich erst in der Sengoku-Zeit1 ein, als andere Speertypen wie Kamayari oder Kagiyari auftauchten.

Kamayari:
Beim "Sichelspeer" gehen von der Hauptklinge eine oder zwei "Sicheln" (Seiten- bzw. Beiklingen) ab. Durch die Beiklingen ist dieser Speertyp dem Suyari gegenüber im Vorteil, denn man kann mit diesen Klingen unter anderem ziehend schneiden, Angriffe abwehren oder einen gegnerischen Speer rotierend zu Boden schlagen. Hinsichtlich der Form, der Länge oder des Winkels dieser Beiklingen gab es die unterschiedlichsten Entwicklungen. Gegen Ende der Sengoku-Zeit rückte der Kamayari als persönliche Bewaffnung der großen Feldherren ins Rampenlicht.

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Der Kôfukuji im Mittelalter

Das japanische Mittelalter, das die Zeit von der zweiten Hälfte der Heian-Zeit1 über die Kamakura-Zeit2, die Nanbokuchô-Zeit3 bis hinein in die Muromachi-Zeit4 und die Sengoku-Zeit5 umfasst, ist gekennzeichnet durch den Wechsel von einem dynastischen Monarchie hin zur Herrschaft durch den Kriegerstand. Gleichzeitig war diese Zeit durch den Niedergang des alten Lehenssystems, in dessen Zentrum die kaiserliche Zentralregierung stand, geprägt, der durch das Auftauchen tatsächlicher lokaler Machthaber wie den militärischen Provinzverwaltern6 oder den Grundverwaltern7 vorangetrieben wurde.

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Hôzôin Kakuzenbô Hôin Inei

Inei, der Begründer des Hôzôinryû Sôjutsus wurde im ersten Jahr der Ära Daiei (1521) als zweiter Sohn des Nakamikado Tajima Inei geboren, der ein Mönchskrieger des Tempels Kôfukuji1 war. Die Nakamikados waren Nachkommen des Prinzen Toneri2, der der vierte Sohn des Kaisers Tenmu3 gewesen war, und trugen ursprünglich den Familiennamen Sakaguchi. Ihr Ahne Sakaguchi Musashi Nobutane war ein sehr kräftiger und kühner Mann gewesen. Er liebte die Kampfkünste und wurde von aller Welt als der wilde Musashi gefürchtet.

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Yagyû und Hôzôin  

Das Gebiet Yagyû1 lag 36 km von Kyôto und über 10 km von Nara entfernt. Es war eine Region, die im Osten an die Provinz Iga grenzte und in der es daher einfach war, an Informationen über die mächtigen Clans im ganzen Land zu kommen2. Außerdem war die Gegend Dank ihres Wasserreichtums sehr fruchtbar. Zudem gehörte Yagyû zusammen mit Nara und Iga zu einem Gebiet, das zahlreiche Kampfkünstler hervorbrachte, unter anderem den ganzen Yagyû-Clan mit dem Schwert, Hôzôin Inei und Takada Matabê mit dem Speer, Bôan3 mit Naginata und Speer, Heki Danjô Masatsugu4 mit Pfeil und Bogen oder die Angehörigen der Ninja-Schule Igaryû.

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Musashi und die Hôzôinryû  

Zwar war die Hôzôinryû die Edo-Zeit hindurch die größte Sôjutsu-Schule, doch dass ihr Name auch heute noch bekannt ist, ist wahrscheinlich Yoshikawa Eijis1 Roman "Musashi"2 zu verdanken.

Aber wie war das wirklich mit Musashi3? Nachdem er im vierten Jahr der Ära Keichô (1604) im Alter von 21 Jahren vor den Tempeln Sanjûsangendô und Rendaiji sowie unter der Kiefer beim Tempel Ichijôji, alles in Kyôto, den kompletten Yoshioka-Clan4 besiegt hatte, begab er sich unverzüglich nach Nara und dort in den Hôzôin…

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Die Genealogie des Hôzôinryû Sôjutsus  

In der Mai-Folge habe ich ja bereits darüber geschrieben, dass das Hôzôinryû Sôjutsu von Inei begründet worden war und sich zur größten Sôjutsu-Schule Japans entwickelte. Das lag natürlich zum einen daran, dass die vom Gründer Inei entwickelten Techniken der Handhabung des Sichelspeers herausragend waren, zum anderen aber auch daran, dass viele hervorragende Schüler in der Hôzôinryû zusammenkamen und die Techniken Ineis von Generation zu Generation immer weiter systematisierten und entwickelten, bis die Schule schließlich über ganz Japan verbreitet war.

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Die Rückkehr des Hôzôinryû Sôjutsus nach Nara  

Zwischen dem Hôzôinryû Sôjutsu und der Familie Kagita gibt es eine mysteriöse Verbindung. Im Jahre Shôwa 33 (1958) richtete mein verstorbener Vater Chûzaburô die erste gebührenpflichtige Schnellstraße Japans über den Kôenzan, einen Berg im Osten Naras, ein. Als Zubringer wurde neben dem Friedhof des Tempels Byakugôji eine neue Straße angelegt. Dabei entdeckte er neben der Straße die Gräber Hôzôin Kakuzenbô Ineis und seiner Nachfolger. Das war der Beginn dieser Beziehung.

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Die Techniken des Hôzôinryû Sôjutsus  

Wie ich bereits in der März-Folge geschrieben habe, ist das charakteristische Merkmal des Hôzôinryû Sôjutsus der Einsatz eines Kamayari genannten Speers mit kreuzförmiger Klinge, der sich vom üblichen Suyari unterscheidet. Dank der kreuzförmigen Klinge kan man mit dem Sichelspeer nicht nur stechen, sondern er lässt sich vielfältig einsetzen, um den Speer eines Gegners unter anderem schneidend herunterzuschlagen, rotierend herutnerzuschlagen oder oder an ihm entlang zu rutschen. Die Hôzôinryû entwickelte sich zur größten Speer-Schule in Japan, weil die Effektivität dieser Techiken erkannt wurde. In dieser Folge nun möchte ich etwas konkreter über diese Techniken schreiben.

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Kawaji Toshiakira und das Hôzôinryû Sôjutsu

Kawaji Toshiakira (1801 - 1868) war eine herausragende Perönlichkeit der späten Edo-Zeit. Er bekleidete verschiedene wichtige Positionen innerhalb der Shôgunats-Regierung und ist unter anderem dafür bekannt, dass er den Vertrag von Shimoda unterzeichnete und ausdrücklich die Ansicht vertrat, dass die vier südlichen Kurilen-Inseln japanisches Territorium seien.

Ab 1846 bekleidete dieser Kawaji Toshiakira für fünf Jahre das Amt des Stadtmagistrats von Nara. In dieser Zeit regierte er weise, indem er beispielsweise Maßnahmen zu Unterstützung der Armen durchsetzte oder, besonders um die Tempel Tôdaiji und Kôfukuji herum, großzügige Baumpflanzungen anlegen ließ und damit die Grundlage für den heutigen Nara-Park schuf. Für all dies ist ihm die Bevölkerung von Nara noch heute dankbar.

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Historische Spuren der Hôzôinryû

Wie ich in der letzten Folge bereits geschrieben habe, existierte der Hôzôin am Ende der Edo-Zeit noch, und es wurde dort Sôjutsu unterrichtet. Doch im Laufe der anti-buddhistischen Bewegung zu Beginn der Meiji-Zeit wurden seine Gebäude abgerissen und sein Grundbesitz enteignet. Dabei ging sein Dôjô ebenso verloren wie das Archiv seiner Schriften, was überaus bedauerlich ist. Daher gibt es heute nur wenige historische Denkmäler, die mit der Hôzôinryû in Beziehung stehen, und diese möchte ich im Folgenden vorstellen.

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